Das Lied ist in alten und neuen Tagen allerdings gegen den Tod zum Trotze geworden. Sofie Elisabet, die Ehefrau des Dr. Nikolaus Clemens zu Schmalkalden, fing auf ihrem Totenbett in Gegenwart ihres Beichtvaters mit lauter Stimme das Lied zu singen an. Nachdem sie geendigt, fragte sie die Anwesenden, ob sie auch wohl die schöne Musik hörten, die jetzo erschallte. Und da man sie fragte, wo sie denn solche vernehme, antwortete sie: Zur rechten Seite, worauf sie auch selig verschieden. (Avenarii Sendschreiben an M. Ludovicus, 1705.)
Als Möwes, der glaubensmutige eifrige Prediger von Altenhausen, acht Tage vor seinem herannahenden Tode auf dem Sterbebette das heilige Abendmahl mit den Seinigen feierte, ließ er den Lehrer mit seinen Schülern kommen, daß sie ihm unser Lied anstimmten. Und als endlich seine Todesstunde am 14. Oktober 1834 hereinbrach, sangen ihm dasselbe seine Gattin und Kinder noch um die Zeit seines Verscheidens ─ denn es war allezeit sein Lieblingslied. Daran labte sich denn auch seine Seele also, daß er bezeugte, er sterbe freudig und getrost, denn sein Herr und Heiland vertrete ihn im Gericht, und ließe es seine Schwachheit zu, so ginge er mit einem Triumphlied auf Gottes Barmherzigkeit hinüber.
Friedrich Mallet, der reichgesegnete Prediger zu Bremen, hatte vor seinem am 5. Mai 1865 erfolgten Ende noch schwere Leidenstage durchzumachen. Sein Atem ging schwer aus, seine Kräfte brachen, und auch sein Herz kam in große Bangigkeit. Sagte man ihm Schriftworte, so wich die Angst. Nach einer schrecklichen Nacht betete er: „O Herr, komm, zerreiße alle Bande! wann kommst du, lieber Herr?“ Hingewiesen auf Christi Blut und Gerechtigkeit, sprach er zweimal: „damit will ich vor Gott bestehn!“ Herzzerreißende Klagetöne wurden ihm durch die furchtbaren Bangigkeiten ausgepreßt. Als er nun den letzten Kampf kämpfte, sang ihm ein Enkel im Nebenzimmer zum Lebewohl das Lied: „Christus, der ist mein Leben“. Er ward ruhig, versuchte mitzusingen und flüsterte: „Christus, der der ist mein Leben“. Noch immer schlug leise das Herz; endlich kam es zum stillen Ende. Als am 11. Mai sein Sarg unter der Kanzel von St. Stephani stand und ein Trauerlied gesungen werden sollte, mußten die meisten Anwesenden vor Tränen schweigen; die Orgel aber spielte den Choral Friedrich Mallet, der reichgesegnete Prediger zu Bremen, hatte vor seinem am 5. Mai 1865 erfolgten Ende noch schwere Leidenstage durchzumachen. Sein Atem gieng schwer aus, seine Kräfte brachen, und auch sein Herz kam in große Bangigkeit. Sagte man ihm Schriftworte, so wich die Angst. Nach einer schrecklichen Nacht betete er: „O Herr, komm, zerreiße alle Bande! wann kommst du, lieber Herr?“ Hingewiesen auf Christi Blut und Gerechtigkeit, sprach er zweimal: „damit will ich vor Gott bestehn!“ Herzzerreißende Klagetöne wurden ihm durch die furchtbaren Bangigkeiten ausgepreßt. Als er nun den letzten Kampf kämpfte, sang ihm ein Enkel im Nebenzimmer zum Lebewohl das Lied: „Christus, der der ist mein Leben“. Er ward ruhig, versuchte mitzusingen und flüsterte: „Christus, der der ist mein Leben“. Noch immer schlug leise das Herz; endlich kam es zum stillen Ende. Als am 11. Mai sein Sarg unter der Kanzel von St. Stephani stand und ein Trauerlied gesungen werden sollte, mußten die meisten Anwesenden vor Tränen schweigen; die Orgel aber spielte den Choral „Christus, der der ist mein Leben“. (Greiner, Schulliederschatz.)
In Feuerbach, einem größeren Dorfe bei Stuttgart, lag im Jahr 1821, als eben Albert Knapp dort Gehilfe im Predigtamt war, ein Steinbrecher krank, Erhardt Veit. Er hatte auf seinem Lager den Heiland im Glauben gefunden und freute sich herzlich auf seinen Heimgang. Da hörte er eines Morgens die Stimme: „Bereite dich, denn morgen früh gehst du heim!“ Mit feierlicher Beugung sagte er dies den Seinen und freute sich wie ein Kind auf die dritte Stunde der Nacht. Abends kamen noch mehrere christliche Freunde zu ihm, die er bat, die Nacht vollends bei ihm auszuhalten und ihm Heimgangslieder besonders von Hiller zu singen, den er ungemein liebte. Das taten sie denn auch die Nacht hindurch in angemessenen Pausen, und der Kranke stimmte freudig mit ein. Da sprach er zuletzt: „Nun, Brüder, singet mir jetzt mein liebstes Lied: Christus, der ist mein Leben!“ Sie sangen es mit gedämpftem Tone bis zum Schlusse hin. Da schlugs auf dem Thurme drei Uhr, und plötzlich erhob sich der Kranke noch einmal mit dem Ruf: „Ja, Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn!“ Sank dann zurück, kehrte sich zur Wand und war selig verschieden. (Albert Knapps Leben, S. 119ff.)
Am 26. Juli 1853 schifften einige Knaben auf einem kleinen Floße in einem See herum, der in der Nähe von Finsterrot, einem Dorfe des in Württemberg gelegenen Mainhardter Waldgebirges, sich befindet. Zum Ergötzen einiger auf dem Felde arbeitenden Weiber sangen die Kinder dazu: „Christus, der der ist mein Leben“. Der beste Sänger unter ihnen, ein neunjähriger guter Knabe, sang sich damit sein Grablied. Im Begriffe, dem in die Tiefe des Sees gestoßenen Floße nachzuschwimmen, sank er unter. Nach einer Viertelstunde erst brachte man ihn ans Land, allein die Seele war – bei ihrem Heilande. (Heilbronner Tagblatt. 1853.)
Quelle:
Geschichte des des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche. Von Eduard Emil Koch, Dekan, ordentlichem Mitglied der historisch-theologischen Gesellschaft zu Leipzig. Nach dem Tode des Verfassers herausgegeben von Adolf Wilhelm Koch, Professor am Kantonsgymnasium in Schaffhausen. Erster Haupttheil. Die Dichter und Sänger. Siebenter Band. Dritte umgearbeitete, durchaus vermehrte Auflage. Stuttgart. Druck und Verlag der Chr. Belser’schen Buchhandlung. 1872. [S. 615ff.; Digitalisat]
Eingestellt am 14. August 2026